Der Codex Dresdensis – Maya-Handbuch für die Nachwelt

Eine letzte Handschrift der Hüter der ZeitProf. Bürger SLUB Dresden und Codex Dresdensis Der Codex Dresdensis   Maya Handbuch für die Nachwelt

 

Tonalamatl nannten die Maya ihren Wahrsagekalender – ihr heiliges Buch der guten und bösen Tage. Der so genannter Codex Desdensis ist eine von nur drei erhaltenen Büchern der Maya. Es liegt in der Schatzkammer der Handschriftenabteilung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB).

Es war im Besitz einer Kalenderpriesterin oder eines -priesters. Sie lasen darin, um Vorhersagen zu machen, Rituale zu planen oder um Aspekte des göttlich bestimmten Schicksals zu deuten. Den Verlauf von Partnerschaften, Schwangerschaften, Geburten oder Kriegen.

Als einzige erhalte Maya-Handschriften, enthält der Codex Dresdensis Einträge, die auf detaillierte astronomische Kenntnisse der Maya verweisen. Er ist hierfür die einzige erhaltene Schriftquelle aus dem vorspanischen Mesoamerika.

 

 

Inhalt des Codex Dresdensis

Tafel 1 bis 15

Tafel 74 des Codex Dresdensis die große Flut 215 x 10 cm Der Codex Dresdensis   Maya Handbuch für die NachweltEinleitung zum Codex. Die Almanache basieren auf dem rituellen Tzolk’in, dem 260-Tage-Kalender der Maya. Sie enthalten astronomische Beobachtungen und astrologische Deutungen. Ihre astronomischen Teile beinhalten genauen Angaben über Mond-, Sonnen- und Marsphasen, die auf dem Verlauf der Venus basieren.

Tafel 1bis 3: Bekleidung der Göttinnen und Götter. Tafel 3 demonstriert ein Herzopfer, das von vier Gottheiten umgeben ist. Der Geopferte wird mit geöffneter Brust dargestellt. Daraus scheint ein Baum als Symbol des Lebens zu wachsen.

Tafel 4 bis 15: Götter-Anrufung und die Einleitung von Prophezeiungen dar.

Tafel 5: zeigt Itzamna, die alte Schöpfergottheit, hier zahnlos und mit greisenhaftem Gesicht und wie alle alten Götter der Maya mit Tränenvoluten.

Tafel 10a (mitte) und 11c (oben): Chac (auch Chaac), den alten Regengott, mit der markanten rüsselartigen Nase und der teils gespaltenen, heraushängenden Zunge, symbolisiert Wachstum, Regen, Donner und Wind und verkörpert die Himmelsrichtungen.

Tafel 10c, 11a: Todesgott Kimi wird mit schwarzen Totenflecken und Knochen als Symbolen des Sterbens dargestellt.

Tafel 16 bis 23

Diese Tafeln und Almanache sind der Mondgöttin Ix Chel gewidmet. Sie zeigen die junge Göttin der Heilkunst mit einer über den Rücken herunterhängenden Locke in 47 unterschiedlichen Darstellungen. (Anmerkung Viola Zetzsche): Die Mondgöttin überbringt das Schicksal, Reichtum, Fruchtbarkeit oder Geburten. Sie trägt verschiedene Vögel auf dem Rücken, die als Überbringer von Krankheiten gelten, für deren Heilung die Mondgöttin angerufen werden konnte. Ein Almanach zeigt die Mondgöttin, die zeigt welche Opferspeisen den Göttern dargebracht werden sollten um Heilung und Fruchtbarkeit zu erlangen. Sie verkündet, welche Krankheiten während einer Schwangerschaft auftreten können und zeigt, wie sie zu überwinden sind.)

Tafel 24 und 46 bis 50

Die Darstellungen auf den so genannten Venustafeln enthalten Angaben, Daten, Intervalle, Richtungen und Vorzeichen des Erscheinens der Venus als Morgen- oder Abendstern während 312 Jahren, auf der Basis des Venus-Zyklus von 584 Tagen. Neben den kalendarischen Angaben ist sinnbildlich dargestellt, welch bedeutenden Einfluss kosmischen Kräfte auf das irdische Leben haben. 

Tafel 28 und 60

Die insgesamt vier Seiten dieser Tafeln sind Leerseiten und gelten als mögliches Indiz dafür, dass der Codex unvollendet geblieben ist.

Tafel 29 bis 45

Als Weissagungskalender für die Landwirtschaft enthalten diese Tafeln Aussagen zu Wetter und Ernte, und wurden beispielsweise zu Regenbeschwörungen befragt. Dem abgebildeten Regengott Chac werden Speiseopfer dargebracht. Für Kalenderberechnungen und die Lange Zählung sind Multiplikationstafeln von 364 enthalten. Eine Zeremonie zu Ehren des so genannten Maisgottes zeigt Tafelseite 34. Musiker mit Rassel, Pauke und Flöte sind beteiligt. Folio 42 bis 45 zeigen Reisen des Regengottes Chac und den Planeten Mars während einer 780-Tage-Periode.

Tafel 51 bis 58

Die als Finsternis- oder Eklipsetafeln bezeichneten Seiten knüpfen an die Venustafeln an. Für die Maya verkündeten Sonnen- und Mondfinsternisse Zeiten allgemeiner Not oder Gefahr, die sie durch Opfer und Rituale abzuwenden suchten. Folio 52 und 53 sind Finsternistafeln. Die abgebildeten Intervalle stellen Finsterniszyklen mit insgesamt 11.958 Tagen dar, die 405 Mondmonaten bzw. ca. 33 Jahren entsprechen.

Tafel 58 bis 59

Vermutlich Marstafeln, die Multiplikationen mit einem Vielfachen von 78 enthalten.

Tafel 60

Vermutlich (nach Thompson) ein Teil aus einem Weissagungskalender des K’atun-Zyklus mit 13 K’atuns (20-Jahres-Perioden), der nicht vollständig erhalten blieb. Die Übersetzung der Hieroglyphen deute auf eine Verwandtschaft zum Inhalt der Chilam Balam-Bücher (kolonialzeitliche Übersetzung einiger Mayabücher in die spanische Sprache).

Tafel 61 bis 73

Die abgebildeten »Schlangenzahlen« und 7 x 260-Tage-Almanache auf Folio 61 und 62 reichen in eine ferne Vergangenheit. Sie verweisen auf mythische Ereignisse in einem Zeitraum von über 30.000 Jahren. Die Folgeseiten zeigen Manifestationen des Regengottes Chac und behandeln die Säulen des Kosmos. Folio 71 bis 73 betreffen den heiligen Tag 4Eb als ersten Tag eines großen Regens (Flut), seinen Einfluss auf das Wetter und die Herleitung der erwarteten Flut auf Folio 74.

Tafel 74

Abgebildet ist das von Göttern veranlasste dramatische Geschehen einer kosmischen Katastrophe in Form einer Flut. Die Abbildung spiegelt die Vorstellung der mehrfachen Schöpfung und Vernichtung der Erde in Völkern Mittelamerikas. Nach Überlieferungen der Maya gingen unserer Zeit drei andere Weltzeiten voraus. Der Zeitpunkt des Untergangs galt als vorhersagbar. Entfesselte Himmelsgewalten ergießen Regengüsse. Aus einem Himmelsband reckt sich der Himmelsdrache und speit Wassermassen. Aus zwei Finsterniszeichen ergießt sich Wasser. Die alte Göttin Ix Chel (Chak Chel) ergießt Wasser mitsamt einer Hieroglyphe für einen Tag Eb. An einem Tag Eb soll eine »Sintflut« die Erde vernichten. Der bewaffnete und schwarz bemalter Gott L mit weißen Füßen ist beteiligt. Er trägt einen Muwan (Vogel) im Kopfputz und hält Wurfbrett und Speere.

Tafel 25 bis 28

In der inzwischen von der Forschung als richtige angegebenen Seitenfolge, schließen die Tafeln mit Neujahrszeremonien an die Darstellung der Sintflut an. Sie zeigen Zeremonien als symbolische Neuschöpfungen des Kosmos. Tafel 27 zeigt zwei Opferszenen und Opfergaben wie ein Gefäß zum Räuchern mit Copal (Baumharz).